Brücken für den Frieden

Diskursprojekt im öffentlichen Raum

Dieses Diskursprojekt im öffentlichen Raum habe ich während des Kosovo-Kriegs 1999 gestartet, daher der Name. Ziel war zunächst das Gespräch zwischen Menschen, die in unterschiedlicher Weise von diesem Krieg betroffen waren – Kosovoalbaner und Serben, VertreterInnen von NGOs, WissenschaftlerInnen und Bürgerinnen und Bürger, die sich in einem Europa sahen, in dem plötzlich wieder Krieg war. Der Schauplatz der wöchentlichen Diskussionen von Juni bis Oktober 1999 war der Platz vor dem Theseustempel im Wiener Volksgarten.

Als Intro fungierte jeweils ein Musikbeitrag, live oder von Tonträger. Auch Bildnerische Kunst war involviert ebenso wie eine Aufführung des ersten Wiener Lesetheaters mit Teilen aus Karl Kraus “Die letzten Tage der Menschheit”.

Partizipatives Diskursformat

In diesem Kontext entwickelte ich ein neues partizipatives Diskursformat:
– 3 bis 6 oder mehr ExpertInnen sitzen im Kreis mit dem Publikum.
– Es werden nicht ExpertInnen mit kontroversiellen Positionen ausgewählt, sondern solche mit unterschiedlichen Erfahrungszugängen zum Thema.
– Sie halten keine Referate, sondern nur 3 – 5-minutige Statements
– Danach zieht die Moderatorin/der Moderator sofort das Publikum mit ein und zwar nicht nur mit Fragen, sondern auch mit kurzen Statements.

In diesem Setting führten die DiskutantInnen aus dem Publikum – oft die gleichen, die in anderen Diskussionsveranstaltungen mühsame Gegenre-
ferate halten – mit den ExpertInnen und miteinander wirkliche Gespräche, wohl deshalb, weil sie sich nicht unter dem (räumlichen und zeitlichen) Druck von ReferentInnen fühlen.

Alles hängt mit allem zusammen

Sehr schnell wurde klar, dass die Frage von Krieg und Frieden nicht isoliert zu betrachten sei. Die Gespräche behandelten in der Folge Themen von Wirtschaft, Ökologie, Religion, Geschichte, Rassismus, Angst und Vorurteilen. Während des aggressiven Wahlkampfs von Jörg Haider im Sommer 1999 organisierte ich die erste antirassistische Open Air-Veranstaltung mit einer Präsentation des von Irene Etzersdorfer und Michael Ley herausgegebenen Buchs “Menschenangst. Die Angst vor dem Fremden” und einer lebhaften Diskussion.

Bei einem abschließenden Open Space im Oktober 1999 – dem ersten Open Space open air – konstellierten sich eine Reihe von weiteren Arbeitsgruppen, und es zeigte sich der Wunsch nach einer Fortsetzung der Reihe.

“Brücken für den Frieden” im ORF-KulturCafé

In dieser zweiten Serie von “Brücken für den Frieden” wurden zwischen Nov. 1999 und Juni 2000 Themen wie Grundsicherung, Tschetschenien, Migration, Integration, Exil-Schriftsteller, Generationenfrage, Demokratisierung des Bildungswesens, Vielsprachigkeit, Konfliktkultur, Medien etc. in Diskussionen, Workshops und systemischen Aufstellungen behandelt.

Gründung der Attac Österreich

Mit der Konzeption und Organisation eines großen Globalisierungsgesprächs am 6. Mai 2000 und der Vermittlung der systemischen Organisationsentwicklerin Esin Hillgartner-Suvarierol, die die strukturelle Vorbereitung kostenlos begleitete, konnte ich die Gründung der Attac Österreich in die Wege leiten, die dann am 6. November 2000 erfolgte.

Anstoß dazu hatte eine “Dimensionen”-Sendung von Ö1 über die Attac Frankreich im November 1999 gegeben, die mich bewog, systematisch interessierte Persönlichkeiten und Gruppierungen anzusprechen und sie zu motivieren, eine solche Gründung ins Auge zu fassen.

Zur Übersicht der Veranstaltungen im RadioCafe

Projekt HANDLUNGSBEDARF – Kooperation mit Pierre Bourdieu’s Projekt “Raisons d’agir”

„Brücken für den Frieden“ hatte sich zu einem systemischen Diskursprojekt im Sinn des erweiterten Kunstbegriffs entwickelt mit dem Ziel der Entwicklung von Alternativen zum neoliberalen Zeitgeist im Sinne einer nachhaltigen europäischen Zukunft.

Als Charakteristika der „Brücken“ definierte ich
• Interdisziplinärer und Ebenen übergreifender Diskurs zwischen WissenschaftlerInnen, StudentInnen und KünstlerInnen, engagierte Privatpersonen und Mitarbeiter von NGOs
• Emanzipative Figur der Veranstaltungen: Überbrückung der Distanz zwischen den Ebenen und größerer Realitätsbezug sind wesentliche Anliegen.
• Konstruktive Gruppendynamik durch Vielfalt. Dadurch wird Offenheit und Vernetzung möglich.
• Seriellität. Themen werden nicht nur in einer Großveranstaltung bearbeitet, sondern konti-nuierlich in ihren verschiedenen Aspekten aufgegriffen.
• Methodenvielfalt. Neben Podiums-/Publikumsgesprächen werden Lösungsansätze für gesellschaftpolitische Fragen durch Einbeziehung von Kunst und Methoden der Organisationsentwicklung wie OPEN!SPACE, systemische Aufstellung und Appreciative Inquiry angepeilt.

Weitere Serien dieser “Brücken-Veranstaltungen” mit Fokus Netzwerkbildung, Demokratie, Globalisierung, Frauen fanden im Herbst 2000 im Unicampus statt. In der polarisierten Atmosphäre dieses Jahres wurde jedoch diese Veranstaltungsserie von den Betreibern der “Alten Ambulanz” im Unicampus bald als “zu politisch” und auch zu wenig ökonomisch ergiebig empfunden.

Zur Übersicht über die Veranstaltungen in der Ambulanz im Unicampus

Im alten “Depot” im Museumsquartier fanden die “Brücken” im Jänner 2001 kurz wieder einen Ort für ihre Arbeit.

Zur Übersicht der Veranstaltungen im Depot


Im Selbstverständnis als gesellschaftliches Labor zur Entwicklung horizontaler Strukturen konnte ich in einem Gespräch mit Pierre Bourdieu bei seinem Besuch in Wien im Frühjahr 2001 eine Kooperation mit seinem europäischen Diskursprojekt „Raisons d’agir“ vereinbaren.

Leider starb Bourdieu kurz darauf. Der Kontakt mit denjenigen, die Raisons d’agir fortführten, gestaltete sich schwierig. Das alte Depot im Museumsquartier wurde im Zuge des Umbaus geschlossen. Es war nicht mehr möglich, Freiräume mit Infrastruktur für den Diskurs von Bürgerinnen und Bürgern zu bekommen. Kurz arbeiteten wir an einem Projekt “Demokratiezelt am Heldenplatz”, das jedoch scheiterte.

Aus den Erfahrungen und Kontakten der “Brücken für den Frieden” konzipierte ich das Projekt “Emergence of Projects” in der Hoffnung, dass dieses ein Selbstläufer zur horizontalen Strukturbildung innerhalb von Intellektuellen und KünstlerInnen werde, in dem durch Miteinander-Tun positive integrative Dynamik entstünde.

Referentinnen und Referenten, Moderatorinnen und Moderatoren

Bei den insgesamt 54 von mir konzipierten und organisierten Veranstaltungen “Brücken für den Frieden” traten auf

Elmar Altvater – Dolf Andel – Christian Apl – Klaus Atzwanger – Ursula Baatz – Jasmine Bachmann – Guel Ayse Basari – Dolores Bauer – Bernd Baumgartl – Wolfgang Benedek – Gertraud Benke – Evelyn Blumenau – Jürgen Bozsoki – Ulrich Brand – Traute Brandstaller – Eva Brenner – Shkumbin Brestovci – Georg Brockmeyer – Alexander Brunner – Boris Buden – Wolfgang Clima – Julius Deutschbauer – Milo Dor – Wolfgang Drasch – Heidi Dumreicher – Nicolae Dura – Gertrude Eigelsreiter – Chaim Eisenberg – Marie-Theres Escribano – Irene Etzersdorfer – Christian Felber – Florian Fischer – Michael Fleischhacker – Fritz Förtsch – Bruno Freytag – Brigitta Fritz – Elfriede Fritz – Vlatka Frketic – Leo Gabriel – Reinhart Gaugg – Gregor Giersch – Martin Giersch – Evamaria Glatz – Beate Göbel – Beate Greiner – Manfred Groß – Andreas Gründler – Helmut Haberl – Peter Havlik – Pater K. Helmreich – Enver Hoxhaj – Peter Huemer – Ivan Ivanij – Susanne Jalka – Hikmet Kayahan – Volker Kier – Erich Kitzmüller – Barbara Klein – Martin Kleitsmann – Max Koch – Erich Kolenaty – Aleksej Korljakov – Niq Krasniqi – Reinhold Knoll – Walter Kreuz – Helga Kromp-Kolb – Wolfgang Kromp – Franz Kumpl – Karin Küblböck – Ludwig Laher – Erwin Lanc – Doris Landauer – Michael Ley – Beate Maeder-Metcalf – Gerhard Mangott – Martin Malek – Oliver Marchart – Vladislav Marjanovic – Lisa Markstein – Eva Marsalek – Manuela Meier – Dominique Mentha – Anna Meyer – Gabriele Michalitsch – Goran Mitolovic – Stefan Moritz – Susanna Niedermayr – Federico Nier-Fischer – Karl Öllinger – Andreas Pecha – Herbert Peherstorfer – Major Karl Pfaffinger – Andreas Pribersky – Silvia Pultz – Doron Rabinovic – Kunibert Raffer – Maren Rahmann – Katja Rainer – Herbert Rauch – Gerald Raunig – Christine Recht – Elisabeth Reichert – Sebastian Reinfeldt – Edon Rizvanolli – Utta Roy-Seiffert – Ditta Rudle – Gerhard Ruiss – Meinhard Rüdenauer – Birgit Sauer – Sabine Schebrak – Renata Schmidtkunz – Hilde Schmölzer – Susanne Scholl – Ulrich Schönbauer – Isolde Schönstein – Dieter Schrage – Lutz Schrader – Rolf Schwendter – Gustav Spann – Peter Stania – Willi Stelzhammer – Peter Steyrer – Esther Stocker – Daniel Stojanowitsch – Alfred Strigl – Theo Strohal – Melita Sunjic – Esin Suvarierol – Emmerich Talos – Monika Vana – Elisa Vass – Michael Vlastos – Wolfgang Wagner – Helmut Waldert – Peter Weish – Peter Paul Wiplinger – Primarius Wlk – Lieselotte Wohlgenannt – Klaus Woltron – Alfred Worm – Jürgen Wutzlhofer – Anja Zivny